US-Präsident Joe Biden steht kurz davor, neue Zölle auf Schlüsselsektoren wie Elektrofahrzeuge, medizinische Versorgung und Solaranlagen einzuführen. Quellen zufolge soll dies bereits am Dienstag geschehen. Die erwartete Ankündigung erfolgt vor dem Hintergrund der Präsidentschaftswahlen im November. Der Demokrat Biden, der eine Wiederwahl anstrebt, behält dabei eine harte Haltung gegenüber China bei, die mit den bestehenden Zöllen seines erwarteten republikanischen Herausforderers, des ehemaligen Präsidenten Donald Trump, übereinstimmt.

Die Auswirkungen dieser Zölle auf die chinesische Industrie dürften minimal sein, insbesondere was den Export von Elektrofahrzeugen in die USA betrifft. Daten der China Passenger Car Association zufolge hat der chinesische Automobilhersteller Geely im ersten Quartal dieses Jahres nur 2.217 Autos in die USA exportiert. Trotz Geelys begrenzter Exporte hat Polestar, eine Tochtergesellschaft des chinesischen Unternehmens Geely und des schwedischen Unternehmens Volvo Cars, auf dem Markt für Elektrofahrzeuge große Fortschritte gemacht und plant, die Produktion außerhalb Chinas auszuweiten, unter anderem in South Carolina für den US-Markt.
In der Solarindustrie, wo über 80 % der Panels in China hergestellt werden, könnten die Auswirkungen der neuen Zölle durch die bereits seit über einem Jahrzehnt geltenden Zölle abgemildert werden. Zwar ist der Kostenvorteil der Produktion von Solarpanels in China nach wie vor beträchtlich, aber die Einzelheiten der neuen US-Zölle werden ihre Auswirkungen auf den Verkauf von Geräten bestimmen, die zur Panelherstellung verwendet werden.
Auch in China hergestellte medizinische Produkte wie Spritzen und persönliche Schutzausrüstung (PSA) sind laut Quellen mit zusätzlichen US-Zöllen konfrontiert. China exportierte im Jahr 2022 medizinische Güter im Wert von rund 30,9 Milliarden Dollar in die USA, was etwa einem Fünftel seiner gesamten medizinischen Güterexporte entspricht. Die erwarteten Zölle sind Teil der umfassenderen Strategie der Biden-Regierung zum Schutz vor Lieferengpässen während der Pandemie und sollen verhindern, dass es erneut zu Engpässen bei kritischer Ausrüstung kommt, die die Gesundheitssysteme belasteten.
Im Dezember verlängerte der Handelsbeauftragte der Vereinigten Staaten die Zollbefreiungen gegenüber China bis zum 31. Mai. Die American Medical Manufacturers Association (Amerikanische Vereinigung der Medizinhersteller) protestierte gegen diesen Schritt. Sie argumentiert, dass diese Befreiungen zur Bewältigung der Covid-19-Notlage nicht länger notwendig seien und den fairen Wettbewerb für amerikanische Hersteller behindern würden.
